Der Roman „Wie Licht schmeckt“ von Friedrich Ani (2005) trägt als Titel eine Synästhesie, versucht also Wahrnehmungen miteinander in Verbindung zu bringen, die sich eigentlich gar nicht verbinden lassen - oder eben doch. Und um das "doch" geht es eigentlich in dem vorliegenden Roman:
Die
Geschichte, dass ein 14jähriger Junge sich zum Geburtstag drei freie Tage
nimmt, um durch München zu streunen, ist selbst schon sehr schön und lässt
einiges erwarten. Dass Lukas dabei allerdings auf das blinde Mädchen Sonja, 17
Jahr alt, trifft, die ihm als Blinde den Wahrnehmungsreichtum neben all den
visuellen Eindrücken des Nicht-Blinden öffnet, wird von Ani sehr schön erzählt.
Dieser Roman ist nett und gut lesbar erzählt und gewinnt gleichzeitig einigen
Tiefgang, den ich sehr anregend fand. Das Motiv, dass wir bei lauter Musik die
leisen Töne nicht hören, dass in einer schrill-bunten Welt die sanften Farben
untergehen, ist m.E. sehr wichtig und so habe ich mich gefreut, ein Buch
geliehen bekommen zu haben, in dem dies auch so geschildert wird.
Letztlich ein Buch, das auch als Schullektüre denkbar ist.
Notizen, die am Rande anfallen - eigentlich für mich, aber öffentlichkeitstauglich Die Kommentare sind moderiert - Rückmeldung ist immer hilfreich
Sonntag, 22. Juli 2012
Sonntag, 15. Juli 2012
Ausgelesen: John Green, Maureen Johnson, Lauren Myracle: Tage wie diese (2008/2010)
Diesen Jugendroman habe ich zur falschen Zeit gelesen: Entweder, so scheint mir, liest man ihn am besten um Weihnachten herum, schließlich spielt er komplett zur Zeit eines weihnachtlichen Schneesturms rund um ein Waffelhaus und ein Starbucks in einer amerikanischen Kleinstadt. Oder aber man liest ihn bei großer sommerlichen Hitze, um schneestürmende Abkühlung zu erlesen.
Schneesturm zu Weihnachten in einer amerikanischen Kleinstadt - zunächst ist das genau das Gegenteil von dem, was mir gute, tiefgehende Unterhaltung verspricht. Aber eigentlich ist es ganz anders, insbesondere dadurch, dass Weihnachten zwar eine Rolle spielt, aber eigentlich nur eine untergeordnete. Im Vordergrund stehen die handelnden Charaktere und ihre Art, mit sich und den anderen umzugehen - und das ist auf eine sehr witzige, gefühlvolle, nachdenkliche und unkonventionelle Art und Weise erzählt. Erzählerisch spannend finde ich, wie die drei, von jeweils einem der drei Autoren verfassten, Teile des Romans personell verflochten sind und das Geschehen in der Kleinstadt so aus verschiedenen Perspektiven in einem losen Beziehungsnetz, dargestellt ist - eine sehr schöne und sehr tragfähige Idee. Die in den Roman investierte Zeit hat sich (jetzt in den Ferien) gelohnt. (Für die Schule? Eher nicht.)
Das Zitat:
Schneesturm zu Weihnachten in einer amerikanischen Kleinstadt - zunächst ist das genau das Gegenteil von dem, was mir gute, tiefgehende Unterhaltung verspricht. Aber eigentlich ist es ganz anders, insbesondere dadurch, dass Weihnachten zwar eine Rolle spielt, aber eigentlich nur eine untergeordnete. Im Vordergrund stehen die handelnden Charaktere und ihre Art, mit sich und den anderen umzugehen - und das ist auf eine sehr witzige, gefühlvolle, nachdenkliche und unkonventionelle Art und Weise erzählt. Erzählerisch spannend finde ich, wie die drei, von jeweils einem der drei Autoren verfassten, Teile des Romans personell verflochten sind und das Geschehen in der Kleinstadt so aus verschiedenen Perspektiven in einem losen Beziehungsnetz, dargestellt ist - eine sehr schöne und sehr tragfähige Idee. Die in den Roman investierte Zeit hat sich (jetzt in den Ferien) gelohnt. (Für die Schule? Eher nicht.)
Das Zitat:
Ein Abgrund klaffte in meinem Innern, aber ich musste ihm für den Moment sagen: Tut mir leid, Schätzchen, keine Zeit. 334
Freitag, 13. Juli 2012
Kinder an die Macht?
Ich habe gerade den Artikel in der Süddeutschen nochmals gelesen - und finde ihn nach wie vor wichtig und richtig, deswegen auch an dieser Stelle der Hinweis auf ihn:
Ein Interview mit Michael Winterhoff
Ein Interview mit Michael Winterhoff
Ausgelesen - John Green: Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen] 2006/2008
Colin, Afrofrisur und hochbegabt, wurde gerade von seiner 19. Katherine sitzengelassen und macht sich mit seinem Freund Hassan auf den Weg ins Blaue - und landete irgendwo in der sehr idyllischen und menschlichen amerikanischen Pampa - auf der Suche nach dem Theorem des Sitzenlassens bzw. Sitzengelassenwerdens und der Freiheit - die er in gewisserweise in einer engen Höhle findet.
Ein sehr schönes Buch, das in meinen Augen wesentlich mehr Tiefgang hat, als es im ersten und zweiten Moment erscheint, ein schönes Geschenk für Mathematiker :-) und erfrischend in dem Ringen um Normalität für besondere Menschen. Ich mag ehrlich gesagt John Green und seine Art zu schreiben sehr - dieser Jugendroman hat sich gelohnt. (Inklusive der Fußnoten)
Ein sehr schönes Buch, das in meinen Augen wesentlich mehr Tiefgang hat, als es im ersten und zweiten Moment erscheint, ein schönes Geschenk für Mathematiker :-) und erfrischend in dem Ringen um Normalität für besondere Menschen. Ich mag ehrlich gesagt John Green und seine Art zu schreiben sehr - dieser Jugendroman hat sich gelohnt. (Inklusive der Fußnoten)
Donnerstag, 12. Juli 2012
Ausgelesen - Peter Stamm: Agnes
Aufmerksam auf diesern Roman bin ich in einer Buchhandlung in Stuttgart geworden, weil er zwischen den Schulbüchern lag: Er gehört zum Zentralabitur und Baden-Württemberg ab 2014. Also bin ich neugierig, ob er etwas für die Schule taugt - und das kann er in meinen Augen nur, wenn er auch mich anspricht.
Der Ich-Erzähler ist ein Schweizer Autor, der in Chicago lebt, um ein Buch über die Pullman-Wagen zu schreiben. Er lernt in der Universitätsbibliothek die wesentlich jüngere und erstaunlich einsame Physikstudentin Agnes kennen, sie zieht recht bald zu ihm, doch erscheint alles recht unverbindlich und distanziert. Gedoppelt wird die Beziehung, indem er sie literarisch nach- und vorzeichnet, indem er sie schreibt. Teilweise leben sie das Geschriebene nach, teilweise leben sie es vor, auch das Ende wird dadurch stark beeinflusst. Die durch ein gemeinsames Kind, das im Entstehen ist, entstehende Frage nach dauerhafter Verbindlichkeit zerreißt die Beziehung zwischen den beiden zunächst wieder - das Ende will ich hier jedoch nicht erzählen, auch wenn der Roman mit den Worten: „Agnes ist tot“ beginnt - was natürlich nicht auf ein glückliches Ende hinweist.
Im baden-württembergischen Zentralabitur ist der Roman als Parallwerk zum „Homo Faber“ Max Frischs vorgesehen - dem er in meinen Augen nicht ganz das Wasser reichen kann, auch wenn es sich aus einer ähnlich gelagerten Quelle speist. Doch insgesamt halte ich beide Werke durchaus für schultauglich, zumal ich lieber bei einem 153 Seiten starken Werk in die Tiefe gehe, als mit über 700 Seiten in die Breite gehen zu müssen, wie es in dem letzten Abitur in NRW der Fall war.
Ein Motiv, das beide Romane intensiv behandeln, ist die Frage nach Bild und Wirklichkeit - schöne Denkanstöße bietet da die folgenden Textpassage:
Ob Schule oder nicht: ein lesenswertes Buch.
Der Ich-Erzähler ist ein Schweizer Autor, der in Chicago lebt, um ein Buch über die Pullman-Wagen zu schreiben. Er lernt in der Universitätsbibliothek die wesentlich jüngere und erstaunlich einsame Physikstudentin Agnes kennen, sie zieht recht bald zu ihm, doch erscheint alles recht unverbindlich und distanziert. Gedoppelt wird die Beziehung, indem er sie literarisch nach- und vorzeichnet, indem er sie schreibt. Teilweise leben sie das Geschriebene nach, teilweise leben sie es vor, auch das Ende wird dadurch stark beeinflusst. Die durch ein gemeinsames Kind, das im Entstehen ist, entstehende Frage nach dauerhafter Verbindlichkeit zerreißt die Beziehung zwischen den beiden zunächst wieder - das Ende will ich hier jedoch nicht erzählen, auch wenn der Roman mit den Worten: „Agnes ist tot“ beginnt - was natürlich nicht auf ein glückliches Ende hinweist.
Im baden-württembergischen Zentralabitur ist der Roman als Parallwerk zum „Homo Faber“ Max Frischs vorgesehen - dem er in meinen Augen nicht ganz das Wasser reichen kann, auch wenn es sich aus einer ähnlich gelagerten Quelle speist. Doch insgesamt halte ich beide Werke durchaus für schultauglich, zumal ich lieber bei einem 153 Seiten starken Werk in die Tiefe gehe, als mit über 700 Seiten in die Breite gehen zu müssen, wie es in dem letzten Abitur in NRW der Fall war.
Ein Motiv, das beide Romane intensiv behandeln, ist die Frage nach Bild und Wirklichkeit - schöne Denkanstöße bietet da die folgenden Textpassage:
Wir gingen ins Art Institute of Chicago und suchten, ob wir ein Nebel- oder Rauchbild fänden oder ein Bild von glücklichen Menschen. Vor Seurats Un Dimanche d'été à l'Ile de la Grande Jatte blieben wir lange stehen. [...] Als wir näher traten, zerfiel das Bild vor unseren Augen in ein Meer von kleinen Punkten. [...] Jede Fläche enthielt alle Farben und wirkte erst aus der Distanz als Ganzes. Das bist du, sagte ich und zeigte auf ein junges Mädchen. (S. 68f.)
Ob Schule oder nicht: ein lesenswertes Buch.
Mittwoch, 11. Juli 2012
Ausgelesen - Kevin Brooks: Killing God (2009/2011)
Anfangs war ich mir selbst über dieses Buch nicht so ganz einig. Dawn, 13 Jahre alt und sauer auf Gott, will Gott umbringen, da er ihr den Vater (er ist abgehauen) genommen habe - oder so. Sie ist aber der Meinung, dass es nicht geht, weil es Gott gar nicht gibt. Aber das ist nur eins der behandelten Motive. Sie lebt mit ihrer Mutter allein, der Vater, notorischer Alkoholiker und nicht so richtig auf legalen Pfaden unterwegs, ist zwei Jahre zuvor von der Familie mit frommen Sprüchen auf den Lippen verschwunden. Die Mutter von Dawn gibt sich fast ganz dem Alkohol und dem Kiffen hin, vegetiert vor dem Fernseher, so dass es scheint, dass die Tochter sich eher um die Mutter als anders herum kümmert. Zur Familie gehören auch "Jesus" und "Mary", zwei Dackel.
Die beiden Alpha-Weibchen aus Dawns Schule, Mel und Taylor, interessieren sich plötzlich aus zunächst unerfindlichen Gründen für sie, laden sie zu einer Fete ein und kommen bei ihr vorbei, als sie nicht hin geht - alles scheint sehr befremdlich.
Insgesamt habe ich hier einen Jugendroman gelesen, der sehr vielfältige Themen eröffnet, mit vielen klugen Fragen umgeht, mir aber thematisch zu überfrachtet geschrieben ist - dadurch bleiben mir zu viele Fragen angerissen und die Menge der Themen sorgt in meinen Augen dafür, dass sie nicht auf einen zufriedenstellenden Punkt gebracht werden - allerdings ist der Schluss dann wieder versöhnlicher, wenn auch gar nicht schön, so dass das Lesen dieses Jugendromans doch keine verschwendete Zeit war - er lässt sich gut lesen, ein Muss ist er allerdings nicht. Und für den Unterricht kann ich ihn mir auch nicht richtig vorstellen.
Die beiden Alpha-Weibchen aus Dawns Schule, Mel und Taylor, interessieren sich plötzlich aus zunächst unerfindlichen Gründen für sie, laden sie zu einer Fete ein und kommen bei ihr vorbei, als sie nicht hin geht - alles scheint sehr befremdlich.
„Ich geh davon aus, es gibt keine Chance, dass wir beste Freundinnen werden, stimmt's? Auch wenn du mich ok findest."Der kurze Dialog zwischen Mel und Dawn ist das Fazit eines Besuchs, den Mel Dawn nach einem aufgedrängten Trinkgelage mit schlechtem Gewissen abstattet - trotz des Verständnisses zwischen den beiden, scheint keine weitere Freundschaft möglich. Diese Darstellung von Beziehungen, gezwungen nach dem Äußeren, der Stellung in der Gruppe, gegen das innere Empfinden der Figuren zueinander, scheint mir typisch für Kevin Brooks Romane, soweit ich sie bislang gelesen habe. Sie werden auch in deren Figuren deutlich. Die Gründe der beiden In-Girls, sich um das glücklich-einsame Mauerblümchen zu kümmern, sind auch rein äußerer Natur, löst sich aber gegen Ende auch logisch auf - übrigens ein sehr überraschendes Ende.
Mel grinst: "Nein, keine Chance. Ich muss auf meinen Ruf achten" (215)
Insgesamt habe ich hier einen Jugendroman gelesen, der sehr vielfältige Themen eröffnet, mit vielen klugen Fragen umgeht, mir aber thematisch zu überfrachtet geschrieben ist - dadurch bleiben mir zu viele Fragen angerissen und die Menge der Themen sorgt in meinen Augen dafür, dass sie nicht auf einen zufriedenstellenden Punkt gebracht werden - allerdings ist der Schluss dann wieder versöhnlicher, wenn auch gar nicht schön, so dass das Lesen dieses Jugendromans doch keine verschwendete Zeit war - er lässt sich gut lesen, ein Muss ist er allerdings nicht. Und für den Unterricht kann ich ihn mir auch nicht richtig vorstellen.
Freitag, 8. Juni 2012
Zitate aus „Stargirl“
„Eure Fragen werden euch mehr über sie verraten, als ihre Antworten“
„Was muss man eigentlich tun, um hier beachtet zu werden?“
"Haben wir dafür nicht Augen und Ohren?" Sie nickte. "Die reichen auch meistens aus. Manchmal sind sie allerdings bloß im Weg. Die Erde spricht zu uns, aber wir hören sie nicht, weil unsere Sinne einen solchen Lärm veranstalten. Deshalb müssen wir sie manchnmal auslöschen, müssen unsere Sinne auslöschen. Dann - vielleicht - kann die Erde uns berühren. Dann spricht das Universum. Dann flüstern die Sterne."
„Was muss man eigentlich tun, um hier beachtet zu werden?“
"Haben wir dafür nicht Augen und Ohren?" Sie nickte. "Die reichen auch meistens aus. Manchmal sind sie allerdings bloß im Weg. Die Erde spricht zu uns, aber wir hören sie nicht, weil unsere Sinne einen solchen Lärm veranstalten. Deshalb müssen wir sie manchnmal auslöschen, müssen unsere Sinne auslöschen. Dann - vielleicht - kann die Erde uns berühren. Dann spricht das Universum. Dann flüstern die Sterne."
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